Zu Gast bei Freunden.

„Mit gewissen Begriffen sollte man vorsichtig sein, aber das, was das Gütersloher
Publikum am Samstagabend im Theater erlebt, lässt sich nur als Sternstunde bezeich-
nen. Das Auditorium im ausverkauften Saal bejubelt zwei Chöre aus einem Genre, das
immer mehr Anhänger findet: Popmusik in vielstimmigen Gesangsarrangements.

»Vocal Line« aus Dänemark in Aktion: Die Gäste aus Aarhus kümmern sich nicht nur
um tiefgründige Songs von Peter Gabriel oder Björk, zwischendurch zappeln die Tenöre
bei »Geek In The Pink« von Jason Mraz mit leicht ironischem Unterton wie eine Boygroup
auf der Bühne des Gütersloher Theaters herum.

Es ist der unermüdlichen Vorbereitungsarbeit des heimischen Popchors »nolimit« zu verdanken, dass
»Vocal Line« aus Dänemark, nach Meinung vieler Kritiker das beste Ensemble seiner Art europaweit,
Station in Ostwestfalen macht. Normalerweise tritt die 30-köpfige Gruppe aus Aarhus, geleitet von
Jens Johansen, eher in Hamburg, Frankfurt oder Berlin auf – oder auch schon mal mit Gesangswunder
Bobby McFerrin im New Yorker Lincoln Center. Aber Johansen ist seit Jahren befreundet mit »nolimit«
-Chef Andreas Warschkow, so dass die Dänen bei ihrer aktuellen Tour einen Schlenker eingelegt haben.
Dass dieser Chor nicht nur in Fachkreisen einen Ruf wie Donnerhall besitzt, beweist das Publikumsinter-
esse: »Das Konzert war schon Mitte Dezember ausverkauft«, bemerkt Moderator Stefan Lind. Sie haben
eine Menge Technik auf der Bühne aufgebaut, die weitgereisten Gäste – jeder Sänger hat sein eigenes
Mikrofon, die Bässe werden gesondert verstärkt, ebenso die Vocal Percussion –, aber es kommt ja auf
das Ergebnis an, und das ist atemberaubend: Der glasklare, hervorragend abgemischte Sound transpor-
tiert die komplexen, selbst geschriebenen Chorarrangements bis in die letzte Reihe des Theaters, und
das Publikum ist hin- und hergerissen zwischen atemloser Stille und frenetischem Jubel.
Natürlich nutzen die Gastgeber von »nolimit« die Gelegenheit, sich im ersten Teil des Programms von
ihrer besten Seite zu zeigen. Die 60 Sänger aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf haben ebenfalls
Peter Gabriel zu bieten – »Solsbury Hill« –, dazu neue Songs wie »Geronimo« von Aura Dione oder das
wahrlich herzerwärmende »Angels« von Robbie Williams.
Krönender Abschluss ist der gemeinsame Auftritt beider Chöre, und da könnte die Rollenverteilung nicht
gerechter sein: Erst gibt es Coldplays »Viva La Vida« in einem verhaltenen choralähnlichen Arrangement
von Jens Johansen, zum Schluss »Tage wie diese«, von Andreas Warschkow kongenial für Popchor umge-
setzt. Spätestens da hält es die Besucher nicht mehr auf den Sitzen, denn sie spüren: Ja, das ist eine
musikalische Sternstunde.“
Westfalenblatt | 11. März 2014 [597 KB]